Tagebucheintrag – Herz an Herz

Ich sitze vor meinem Computer und kann einfach nicht aufhören zu arbeiten. Ich bin geradezu besessen von meinem neuen Hobby – mein neuer Blog und meine Kontakte in den sozialen Plattformen. Dieses Hobby nimmt mich voll gefangen. Es ist bereits 24.00 Uhr und ich schaffe es nicht abzubrechen.

Da erinnert mich mein Mann daran, dass es eigentlich schon lange Schlafenszeit sei. Schweren Herzens und mit einer immensen Kraftanstrengung schließe ich alle Fenster, schalte meinen Laptop aus und lege mich ins Bett. Meine Gedanken kreisen, kreisen, kreisen. Ich spüre jede Zelle in meinem Körper vibrieren. Ich kann meine Hände nicht ruhig halten. Meine Finger klopfen im Takt eine Melodie, die sich neben den kreisenden Gedanken in meinem Kopf breit macht.

Ich drehe mich von einer Seite auf die andere und wieder zurück. Egal wie ich mich bette, ich finde keine gemütliche Lage. Ich umschlinge meinen Kuschelpolster und genieße kurz die Kühle bevor er sich durch meinen heißen Kopf erwärmt. Unter meinen geschlossenen Lidern bewegen sich meine Augen ruhelos umher. Ich kann sie einfach nicht still halten.

Meine Hüften schmerzen. Der Schmerz strahlt aus bis in die Beine. Mein Blutdruck ist sicher um einiges höher als sonst. In den Ohren höre ich das Pumpen meines Herzens. Es ist als ob sich das Trommelfell nach außen stülpen würde. Und meine Gedanken kreisen um neue Ideen. Unruhig halte ich mich zurück. Ich habe einen starken Drang diese Ideen sofort aufzuschreiben, da sie sonst wieder verschwinden. Diesem Drang widerstehe ich mit dem bisschen Vernunft, die mir noch geblieben ist. Langsam schwindet auch diese. Sollte ich noch eine Beruhigungspille nehmen? Ich entscheide mich dafür. Als ich zum Wasserglas greife, zittern meine Hände.

Meine Unruhe bleibt nicht unbemerkt. Hannes, mein Mann, fragt mich, ob ich nicht schlafen könne. Ich bejahe das. Er sagt: „Komm in meine Arme und lege deinen Kopf auf meine Brust.“ Ich kuschle mich an ihn und lege mein Ohr an seinen Oberkörper. Seine Hand umarmt meinen Kopf und legt sich weich auf mein Gesicht. Ein wohliges Gefühl durchströmt meinen Körper. Es ist als ob diese Berührung Einfluss nimmt auf meine kreisenden Gedanken.

Über mein rechtes Ohr nehme ich den ruhigen Herzschlag meines Mannes auf. Ich bemerke, dass mein Herz um vieles schneller schlägt als das von Hannes. Aufmerksam verfolge ich die Herzschläge von uns beiden. Langsam werde ich ruhiger. Ich konzentriere mich immer mehr darauf, meinen Herzschlag dem seinigen anzugleichen und es gelingt. Auch ich werde ruhiger. Poch-Poch-Poch und Poch … Poch … Poch. Mein Atem wird flacher, meine Augen werden ruhiger. Die Musik im Kopf verschwindet Ton für Ton. Langsam   s c h l a f e …  i c h …   e i n …

© Maria Fasching

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