Und da war ich plötzlich anders…

dsc00005Ich merke ich verändere mich. Zum Guten? Zum Schlechten? … Ich weiß es nicht. Plötzlich kann ich es … das Wegstoßen, wenn mir jemand weh tut … in dem Moment wo es nötig ist … ich sende die bösartigen Signale zurück an die Person, die die Verletzung ausgesendet hat … so muss es richtig sein. Es fühlt sich gut an, das Wegstoßen. So schütze ich mein Inneres vor Gefahren und Verletzungen. Geschoße von außen prallen an mir ab – ich habe eine Schutzmauer aufgebaut.

Was habe ich falsch gemacht?

Falsch gedacht – Nummer 1:
JEDER MENSCH HAT EINEN GUTEN KERN.
Die Erfahrung zeigt mir heute, dass das nicht so ist. Es gibt wirklich durch und durch schlechte Menschen, die das Gute nicht wollen. Wenn es das nicht gäbe, hätte Gott niemals eine Sintflut über die Menschheit gebracht. Die Menschen damals, außer Noah, waren von Grund auf verdorben. Und nur Gott kann in die Herzen der Menschen sehen.

Falsch gedacht – Nummer 2:
ICH MUSS AUF BÖSARTIGKEITEN UND WIDRIGKEITEN IMMER MIT LIEBE UND NACHSICHT REAGIEREN.
Tu ich nur mehr zum Teil. Was sagt Gott: „Seid erzürnt aber sündigt nicht.“ Das heißt, ich darf auch mal zornig sein, es kommt dann darauf an, was ich mit dem Zorn mache. Ich werde auch mal wütend. Aber ich vergesse auch nicht den Bibeltext: „Die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu.“ Positive Reaktion auf negatives Verhalten verwende ich jetzt gezielt nur dann, wenn es sich um mir nahe stehende Menschen handelt.

Falsch gedacht – Nummer 3:
ICH LASSE JEDEN MENSCHEN, UNGEFILTERT, AN MICH HERAN.
Tu ich auch nicht mehr. Nun wähle ich sehr wohl genau aus, wen ich an mich heran lasse. Ich sehe mit genau die Persönlichkeiten an und entscheide erst nach geraumer Zeit, ob jener Mensch zu mir passt oder nicht.

Und jetzt?…

Sehr genau ziehe ich jetzt Grenzen um mich herum und verteidige sie auch. In meinen Blumengarten kommen nur Menschen, die mich und meine Art von Blumen lieben, achten, respektieren und sich für mich und meinen Garten wirklich interessieren.

Es gibt sie noch, vereinzelt, die Menschen, die Fragen stellen, sich füreinander interessieren und die bereit sind zum Zuhören.

Die meisten Menschen aber sind mit ihrer Selbstinszenierung beschäftigt. Oft stellen sie auch nur Fragen um einen Anhaltspunkt zu finden um wieder auf sich zu lenken, das sind die ganz Schlimmen.

Habe ich mich verändert?
Ja, ich bin nicht mehr dieselbe wie vorher.
Plötzlich bin ich anders…

© Text und Bild Maria Fasching

9 Gedanken zu “Und da war ich plötzlich anders…

  1. Ich glaube nicht, dass Veränderungen plötzlich kommen. Sie wachsen, ganz langsam, ganz tief im Inneren. Die dazugehörigen Gefühle zu den äußeren Verletzungen waren schon immer da. Aber aufgestülpte Regeln aus „Du musst so und so handeln/fühlen, weil… “ haben uns unsere wahren Gefühle aberkannt. In dem Moment, wo ich wieder ganz genau hinspüre, MEINE Gefühle als wahr annehme und nicht irgendwelchen Regeln folge, beginne ich meine Bedürfnisse anzuerkennen, mich zu lieben und ein Nein zu dem zu formulieren, was mir nicht guttut. Das ist für mich ein Akt der Selbstliebe und nur wer genügend Selbstliebe aufbringt, kann überhaupt den nächsten lieben. Und wer sich in seiner Sebstliebe als nicht unfehlbar anerkennt, sich selber seine Handlungen und Fehler verzeiht, der wird auch anderen diese Fehler und Schwächen verzeihen. Ich finde es nur wichtig, dass man verletzende Handlungen des anderen, wiederholen sie sich, dem anderen verdeutlicht. Und da hapert es leider häufig. Irgendwann ist diese Wut so heftig auf das Verhalten, dass ich platze. Ich nenne das “ kalte (aufgestaute) Agressionen“ im Gegensatz zu heißen , auf die ich sofort reagiere. Zu spät gehandelt! Geht Dir das ähnlich?

    1. Liebe Simone, ich habe über deine Worte lange nachgedacht. Wahre Zeilen die du schreibst. Was du über die Selbstliebe schreibst gefällt mir sehr gut. Was du über die „kalten“ und „heißen“ Aggressionen schreibst finde ich sehr interessant. Bei mir war es erst mal so, dass ich überhaupt keine Aggressionen empfinden konnte. Erst nach und nach wurde mir bewusst (mit therapeutischer Hilfe) warum das so war. Heute kann ich gut Wut und Zorn empfinden und es gelingt mir auch immer besser meine Reaktion auf Verletzungen darauf dort zu platzieren, wo sie hingehören, beim Verursacher. Es gelingt mir sogar schon mit dem Zeitpunkt etwas zu jonglieren. Ich meine damit, dass ich es besser finde meinem Zorn nicht sofort Raum zu geben, sondern diesen etwas „verrauchen“ zu lassen um dann klarer denken zu können und um dann folgende Gespräche zu führen die mehr zum Frieden führen als zum völligen Bruch. Natürlich es stimmt, manchmal ist es einfach zu spät zum Handeln. … Ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden? Alles Liebe und ich wünsche dir noch einen schönen Montag-Abend. Maria

      1. Liebe Maria, Danke für die ausführliche Antwort. Ich denke auch, dass es oft besser ist, innerlich bis zehn zu zählen, bevor man antwortet. Was ich aber meine, ist das zu lange Aufstauen von negativen (berechtigten) Gefühlen gegenüber Personen, die einen sehr nahe stehen und die man liebt. Die Ballance zwischen Nächstenliebe und Verständnis für das für einen unangenehme Verhalten auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Selbstschutz also die Abgrenzung gegenüber diesem Verhalten. Diese Ballance wann nach wie vielen Malen sage ich nun endlich was? Das fällt mir extrem schwer, da ich jemand bin, der vieles verstehen und verzeihen kann. Tja, manchmal aber zu Lasten meiner Selbst. Und wenn dann der eine gewisse Tropfen kommt, der mein Fass zum Überlaufen bringt, dann gibt es einen Vulkanausbruch. Der andere sieht das natürlich als unangemessene Reaktion an. Verständlich, denn er weiß ja nicht, dass ich zig Male davor bereits gelitten habe. Also habe ih den Moment vorher verpasst. Das muss ich immer wieder üben 😉 Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag! Es ist schön, dass Du Deine Wut als ein berechtigtes Gefühl der Selbstwahrnehmung und Selbstliebe heute spüren kannst!

        1. Liebe Simone, danke auch für deine klärenden Zeilen. Die Ballance, die du beschreibst ist wirklich schwer zu finden. Da geht es mir wie dir. Wobei es mir zur Devise wurde „lieber früher als später“ und zwar um tiefere Eingrabungen und Verletzungen zu verhindern. Aber ich bin auch am Üben – immer wieder… Liebe sonnige Grüße aus dem schönen Wien sendet dir Maria

  2. Hallo Maria,
    es ist schön, dass du dir eine Schutzmauer aufgebaut hast, Maria. Ich habe auch lannge genau an die Thesen gedacht, die du aufgeschrieben hast. Es wird alles viel leichter, wenn man sich davon löst. Das war sehr schwer und gegen meine Erziehung. Sicher bist du auch sehr harmonisch aufgewachsen?
    Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

    1. Liebe Susanne, erst mal freue ich mich, dass du auf meinen Blog gefunden hast. Lieben Dank für Deine Zeilen. Es stimmt, ich bin in meinen Kind- und Jugendjahren sehr behütet aufgewachsen auch mit genauen Regeln. Von einigen, wie du ja gelesen hast, musste ich mich, wie du, lösen. Du hast recht, es ist in den letzten Wochen alles viel viel leichter geworden. Alles Liebe und auch einen schönen Tag wünscht dir Maria

  3. »Anders als wer?«
    »Auf jeden Fall anders als die anderen. Nicht anders als ich. Selbst kann ich ja unmöglich anders sein als ich selbst. Oder so.«
    »Bist du dir da sicher?«
    »Ja, natürlich. Nein. Irgendwie bin ich aber oft anders als ich. «

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