Bei uns ticken die Uhren anders…

Wenn mich Menschen fragen, wie es uns, mir und meinem Mann, geht, komme ich immer wieder zu dem Satz: „Bei uns ticken die Uhren anders.“ Einerseits ist das meistens ein Satz, den ich anfüge, um nicht mehr ins Detail gehen zu müssen, andererseits auch eine Art Vorstellungshilfe, wie mein Gegenüber die Dinge, die ich so von mir gebe, einordnen kann. Zu neunundneunzig Prozent ist mit diesem Satz, das Gespräch zu unserem Befinden beendet.

Gestern war wieder mal so ein Gespräch im Gange und um den Kontrast von unserem Leben zum Leben des Fragenden zu zeigen, sagte ich wieder einmal: „Bei uns ticken die Uhren anders.“

Zu meiner Überraschung kam die Gegenfrage: „Na dann erklär mal, wie die Uhren bei euch anders ticken.“ Mein Gegenüber lehnte sich zurück und nahm eine erwartungsvolle Haltung ein, während er mich genau beobachtete.

Nach Worten und Erklärungen ringend, wurde ich mir klar darüber, dass es gar nicht so einfach war derartiges in Worte zu kleiden. Außerdem war es das erste Mal, dass mich jemand so direkt danach fragte. Die meisten Menschen glauben zu wissen, was ich damit meine. Ich druckste herum und versuchte einen Erklärungsansatz und scheiterte kläglich. Mein Gegenüber verlor scheinbar das Interesse und lenkte ein wenig ab. Das hat gesessen. Da kam mir eine gute Idee. Ich hatte im Gespräch vor dieser Frage von meinem neuen Blog erzählt. Mitten im Gespräch sagte ich dann: „Jetzt weiß ich, worüber ich in meinem nächsten Beitrag schreiben werde…“ Ganz neugierig kam gleich die Frage: „Worüber denn?“ Ich: „Was es bedeutet, dass bei uns die Uhren anders ticken.“ Und da bin ich auch schon beim Thema:

Bei uns ticken die Uhren anders…

uhren_maria_fasching

Erst mal vorweg, ich habe eine Bipolare Störung und mein Mann ist von der Borderline Persönlichkeitsstörung betroffen. Dieses Andersticken der Uhren bei uns lässt sich in fünf große Bereiche gliedern:

Langsamkeit oder entschleunigtes Leben
Schlaf- und Wachrhythmus
Gespräche und Schweigen
Erwartungshaltung an das Leben
Reduktion an sozialen Kontakten

 

Langsamkeit oder entschleunigtes Leben

Wir, mein Mann und ich, hasten nicht und eilen nicht. Unsere körperlichen Auswirkungen unserer beider Krankheiten zwingen uns dazu, vom Kopf her umzuschalten und gegenzusteuern. Wenn mich grade wieder mal eine Hypomanie oder eine Depression schüttelt braucht es immense Kraft, einerseits dem übermäßigen Vibrieren der Zellen andererseits dem todesähnlichen bewegungsunfähigen Zellen eine vom Kopf her gesteuerte Normalität aufzuzwingen. Das heißt eine von der Vernunft über die Krankheit gestülpte Langsamkeit wirkt sich positiv auf die Magnituden (Maximale Auslenkung einer Welle) aus. Meinem Mann geht es da ähnlich – mit Hilfe von über einen langen Zeitraum und mühsam erlernten Skills hält er seine inneren Spannungen mal mehr und mal weniger im Griff. Dazu braucht auch er seine ganze Konzentration. Unser beider Aufmerksamkeit richtet sich dann nach innen und daraus resultiert nach außen eine Langsamkeit bzw ein entschleunigtes Leben. Das steigert sich bis hin zum langsamen und behutsamen Reden, um nur ja nicht zu einer Steigerung der inneren Erregung bzw Starre beizutragen. In diesem Sinne ticken bei uns die Uhren langsamer als die Uhren anderer Menschen.

Schlaf- und Wachrhythmus

Unsere Körper haben einen ganz eigenen Schlaf- und Wachrhythmus, lässt man sie auf sich gestellt. Damit meine ich in meinem Fall die Phasen, wo ich ohne Medikamente auskomme. Es wäre natürlich möglich, mit Hilfe von Pillen einen geregelten Schlaf- und Wachrhythmus herzustellen. Leider beeinträchtigen diese Schlafmittel oder diese sogenannten Phasenprophylaxen mein Gefühlsleben und mein körperliches Empfinden so sehr, dass ich mich immer öfter gegen sie entscheide. Leider muss ich dann und wann etwas nehmen, wenn ich gar nicht mehr zum Schlafen komme oder im kompletten Gegenteil, bei einer Depression, brauche ich dann diese Mittelchen um aus dem Schlafmarathon herauszukommen. Bei meinem Mann ist das insoferne ähnlich, dass er auch keine Schlafmittel nimmt und seinen Schlaf- und Wachrhythmus auslebt. Das sieht dann so aus – wir schlafen dann, wenn wir schläfrig werden, das kann tagsüber sein, das kann aber auch mal nachts sein. Bei mir ist es im Moment so, dass ich so um 23.00 Uhr herum etwas müde werde und mich schlafen lege. Mal um 1.00 Uhr dann wieder um 3.00 Uhr bin ich wieder putzmunter. Ich nehme die Wach- und Schlafphasen so wie sie kommen und quäle mich nicht mit Gedanken wie, es ist ja grade Nacht, da solltest du eigentlich schlafen, oder am Tag, du solltest eigentlich nicht schlafen, weil ja grade Tag ist.

Gespräche und Schweigen

Wir reden und schweigen so miteinander, wie wir es brauchen. Jeder stellt sich auf den anderen ein. Dazu ist größte Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe nötig. Denn wir wollen aufeinander achten. Zum eigenen Bedürfnis kommt auch noch das Bedürfnis des anderen hinzu und das verlangt uns in intensiven Krankheitsphasen alles ab. Gut ist, dass wir uns zum Großteil abwechseln mit diesen Phasen. Dann stellt sich der eine auf den anderen mehr und weniger ein. Wenn wir aber beide „feststecken“ müssen wir klein beigeben und unsere jeweilige Aufmerksamkeit auf das jeweils eigene Leben richten. Gespräche weichen dann in solchen Phasen großteils dem Schweigen. Die Kräfte die noch übrig sind, braucht jeder dann für sich selbst.

Erwartungshaltung an das Leben

In diesem Punkt sind wir sehr bescheiden. Wir nehmen jeden Tag so wie er kommt und machen das Beste daraus. Das heißt, wenn wir uns nach unseren Schlafphasen wieder wahrnehmen, gilt es als erstes sich nach dem Wohlbefinden des anderen zu erkundigen. Das geht dann so: „Guten Morgen Liebling, wie geht es dir heute? Hast du Schmerzen? Wie war dein Schlaf?“ oder „Wie fühlt sich dein Körper im Moment an?“ und einige Fragen mehr. Nach dem Beantworten dieser Fragen werden erst Pläne für den Tag gemacht. Natürlich machen wir auch grobe Pläne für die Woche, das Monat oder das Jahr, aber wir sind flexibel und wissen, dass das keine Fixpläne sondern variable Pläne sind. Und wir strecken uns sozusagen nach der Decke. Oft ist es so, dass wir tagsüber einen Ausgang am Abend planen, wir aber dann gegen 15.00 Uhr merken, dass der Plan nicht ausführbar ist, weil uns unser Körper, sei es durch Schmerzen irgendwelcher Art oder einem sonstigen Missbefinden nicht ermöglicht. Dann wird einfach umdisponiert. Sicher, manchmal fällt das nicht so leicht, wie sich das hier anliest. Aber wir leben ganz gut mit unserer erweiterten Flexibilität. Außer diesem sind wir sehr gläubige Menschen und sind der Meinung, dass das was in der Bibel steht uns Aufschluss darüber gibt, was mit uns nach dem Tod geschieht. So glauben wir, dass wir die Chance haben, einmal ewig auf der Erde zu leben in Gesundheit und Frieden. Und das gibt uns eine immense innere Ruhe.

Reduktion an sozialen Kontakten

Leider ist es so, dass sich unsere sozialen Kontakte durch unser Andersticken unserer Uhren auf ein Minimum beschränken. Viele Menschen verstehen uns einfach nicht – sie machen sich aber auch nicht die Mühe uns kennen zu lernen. Oft haben sie große Berührungsängste. Dann wollen sie uns nicht stören. Wenn sie mitbekommen, dass wir öfter auch mal tagsüber schlafen, wollen sie uns nicht anrufen um uns nicht aufzuwecken. Wenn ich sage, dass mich das nicht stört, hilft das meistens auch nichts. Einigen ist ein Kontakt mit uns auch zu viel, sie ertragen es nicht, so ein ruhiges und fades Leben. Ein Kontakt mit uns würde auch viel Flexibilität erfordern. Und dazu sind die meisten Menschen nicht bereit. Ein Beispiel: Wir sind zum Essen eingeladen. Dann müssen wir aufgrund unvorhergesehener körperlicher Ursachen öfter mal absagen. Ab der zweiten Absage werden wir auch nicht mehr eingeladen. Einladungen sind im letzten Jahr ganz weggefallen. Gegeneinladungen sind mir auch vor allem im letzten Jahr nicht möglich gewesen, da es mich total überfordert hätte. Hinzu kommt noch, dass die meisten Menschen derartig mit sich und ihren eigenen Zielen und Wertigkeiten oder auch Krankheiten beschäftigt sind, dass ihnen ein weiterer Kontakt zu viel ist. – Dieser Punkt der totalen Reduktion von sozialen Kontakten setzt mir persönlich ziemlich zu. Da habe ich dann das Internet für mich entdeckt. In den letzten zwei Monaten hatte ich so viele Kontakte, durch meinen neuen Blog, wie in den letzten fünf Jahren nicht. Das Positive daran ist, dass man in der Netzwelt auch andere von psychischen Krankheiten Betroffene findet und sich dann auch gut austauschen kann.

Lieber Leser, wenn du es bis hierher geschafft hast, freue ich mich sehr darüber. Danke fürs Lesen.

Es würde mich sehr interessieren, welche Erfahrungen du mit Andersartigkeit und anders tickenden Uhren in deinem Leben gemacht hast … vielleicht hast du Lust einen Kommentar dazu zu schreiben? Oder du kannst mir auch gerne persönlich an maria.fasching@chello.at deine Gedanken mitteilen. Danke!

© Bild und Text Maria Fasching

27 Gedanken zu “Bei uns ticken die Uhren anders…

  1. Liebe Maria
    Ich finde es gut, dass du so offen umgehst mit deiner Erkrankung. Nur so kann man letztlich Ängste abbauen, Berührungsängste auflösen und für sich selbst authentisch sein, denke ich.

    Das Verlieren sozialer Kontakte kommt mir sehr bekannt vor, ich habe zeitweise schwere Depressionen, die meisten verstehen es nicht, zwei, drei Tage wird es akzeptiert, wenn es aber länger dauert, dann nimmt auch das Verständnis ab, Einladungen und Besuche bleiben aus.

    Es ist schön, wenn einige wenige trotzdem bleiben und einem nehmen, wie man ist, nicht wahr?

    Ich freu mich, wenn wir uns weiter austauschen können.

    1. Liebe Ilanah, vielen Dank für deine Zeilen. Dass du Depressionen hast, tut mir sehr leid und dass auch du solche Erfahrungen machen musst. Ja, es stimmt, die Menschen, die einem nehmen wie man ist, sind kostbar aber rar. Freue mich auch auf weiteren Austausch mit dir. Liebe Grüße und schönen Abend noch Maria 🙂

  2. Mit anders tickenden Uhren (im Sinne von nicht mehrheitsfähig) kenne ich mich (nicht nur) aufgrund meiner Suchterkrankung gut aus. Ich mag Menschen, die ihr Leben nicht nur angenommen haben, sondern sich auch aufgemacht haben, das Beste daraus zu machen. Wie immer das auch ausschaut.

    Lieben Gruß aus dem Tal der Wupper!

    1. Lieber Reiner! Danke für deine sehr motivierenden Worte. Ich finde deinen Blog sehr interessant, war grade ein bisschen dort – werde sicher noch einige Zeit dort verbringen, du bloggst ja schon länger… Danke, dass du deine Erfahrungen teilst, man kann so viel lernen von dir… Alles Liebe aus dem schönen Wien – Maria

  3. Liebende Maria

    In Gruppen Gemeinschaften und Kreisen
    Erfuhr ich immer dann Ausgrenzung
    Wenn ich Grenzen weitend benannte und überschritt
    Im Bayerischen Rundfunk „Tagesgespräch“
    Motto“Grenzenlos hören“..
    Bin ich seit meinem Anruferbeitrag zum Entscheit des Ukrainememorandums gesperrt
    Dieser Beschluss wird auf Ansprache den Journalisten hin abgestritten also geleugnet

    Andersartigkeit ist eine Qualität die für einfache Seelen
    Immer noch bedrohlich wirkt

    „Der Verrat am Selbst“ Arno Grün`s Buch ist die Einladung
    Dir mir uns treu zu bleiben mit allen Konsequenzen

    Bedingungsloses Lieben ruft als Erstreaktion noch heufig Angst auf
    Angst vor Entgrenzung Identitätsverlust Neuem Ungewohntem

    Segnen wir jene die in Abwehr gehen
    Allergie ist meist eine Autoagressionssymtomatik
    Und Selbstliebe das Mittel der Wahl

    danke
    Dir Joaqim von Herzen

    1. Lieber Joaqim, du schreibst sehr interessante und wahre Worte. Danke für den Tipp für das Buch von Arno Grün. Hört sich sehr interessant an. Ein weiterer Gedankenaustausch mit dir würde mich sehr freuen. Danke! Herzlichst Maria

          1. Liebende Maria

            Ich bekomme Sie geschenkt
            Sie sind die Luft die wir alle atmen
            Jenem angstfreie Raum
            Der liebende Weisheit birgt
            Denn Wahrheit ist ein Geschmack

            Dein Herzensraum
            Das „morphogenetische Feld“
            Jenes Gedächtnis der Natur
            Akasha wie die alten Inder es nennen

            Das Buch des Lebens
            In dem Jesus uns vorliest
            In Seinen ergreifenden Gleichnissen
            Enthält alle Schätze dieser Welt
            Für Dich und mich bereit
            Sie einander verschenkend zu entdecken

            danke
            Dir Joaquim

          2. Lieber Joaquim! Einige wenige Schätze dieser Welt zB aus Jesu Gleichnissen durfte ich schon entdecken. Auf die „feinste Form der Materie“ hast du mich jetzt aufmerksam gemacht … ich entdecke grade dein Geschenk … Danke Dir Herzlichst Maria

  4. Thank you for checking out and following my blog. I understand wee the concept of time ticking differently and also the sleep and wake rhythm since I rarely get 4 hours at night. My contact with others is limited, and generally to the same people so interaction isn’t too difficult where it is with strangers. I count the internet a friend because of that.
    Your blog is very interesting and would be best read by anyone who doesn’t understand mental illness. You can open it up nicely to them.
    What I couldn’t cope with is the religious aspect since I have no beliefs in that direction at all and tend to think of them as destructive. I would rather work towards bringing all people together as one without finding reasons to show their differences.
    xxx Huge Hugs xxx

  5. Mir gefällt Ihre Offenheit. Ich sage immer : ich bin ein Randdenker.
    Ich sehe und beurteile oft Situationen und Meinungen anders, als viele Menschen die mir begegnen. Macht doch nichts: 1. ich versuche niemandem wehzutun 2. habe ich keine Lust meine Gedanken, mein Leben zu rechtfertigen- es ist so, wie es ist 3. Versuche ich die anderen Mitmenschen zu respektieren, so wie sie mich respektieren sollten.
    Man muss anderen nicht alles erklären 🙂 L.G.

    1. Liebe Birgit! Vielen Dank. Gefällt mir die Bezeichnung „Randdenker“. Ist es doch gerade diese Andersartigkeit die einem einlädt, die eigenen Gedanken nochmals zu überdenken, zu hinterfragen und eventuell zu neuen Schlüssen zu kommen. Ich sehe das Leben als einen Entwicklungsprozess der Persönlichkeiten. Gut, dass es dich als „Randdenker“ gibt. Und es stimmt – man muss anderen nicht alles erklären! Auch LG Maria

  6. Euer Umgang miteinander klingt heilsam.

    Ich erkenne mich in eurer Andersartigkeit zum großen Teil wieder. Es entsteht ein kleines Paralelluniversum, dass scheinbar gar nicht so wenige Menschen teilen. Hat mir gut getan zu lesen, wie du dich ebenso scheinbar damit versuchst anzufreunden, auch wenn Dinge fehlen.
    liebe grüße

  7. Das mit den Kontakten kenne ich auch.
    Meine kleine Schwester lebt gleich neben uns im Haus.
    Sie zieht sich zurück, wenn es ihr nicht gut geht. Dann lassen wir sie in Ruhe.
    Da wir im Berufsleben stehen und manchmal arg gestresst sind, hält sie sich zurück.
    Das geht dann soweit, dass wir uns kaum sehen.
    Dieses Rücksicht auf den anderen nehmen kann auch nach hinten los gehen.

    Gruß Männe

    1. Hallo Männe, lieben Dank für deinen Kommentar. Das finde ich sehr traurig, dass ihr euch kaum seht. Enorm wichtig finde ich auch, ist, dass man sich trotz Schweigen und Rückzug doch immer weiter gegenseitig beobachtet und von Zeit zu Zeit immer wieder beim anderen anklopft, um rauszufinden, ob die momentane Art des Umgangs noch den jeweiligen Bedürfnissen entspricht. Ich wünsche euch viel Liebe! LG Maria

  8. Roe

    Tja, vielleicht lebt ihr ja „bewusster“, was andere Menschen häufig nicht können. Einen Job zu haben ist schon etwas, dass einen „in das Raster des Lebens zwängt“, auch wenn das manchmal gar nicht passt 🙁

    1. Liebe Roe, vielen Dank für dein Interesse an meinem Blog. Ja, es stimmt, wir leben unsere Tage sehr bewusst und schätzen sehr die spärlichen Momente, wo uns nicht gerade unsere Krankheiten ihr Dasein „aufzwängen“. Leider ist es heute oft so, wie du es beschreibst, dass einem bestimmte Jobs „in das Raster des Lebens zwängen“ und man ist oft auch manchmal sehr eingeschränkt mit der Jobauswahl. Darum schätze ich immer wieder sehr, die Augenblicke, in denen man frei wählen kann, egal welchen Raum das dann betrifft. Manchmal ist es aber auch so, dass eigentlich mehr Freiraum da ist, als man sich denkt. In diesem Sinne wünsche ich dir noch einen schönen möglichst „zwangreduzierten“ Tag. Alles Liebe Maria

  9. Hallo, nur mal eine Frage: Sind denn Hypomanien nicht die sanfte Form einer Manie, die sogar fast unbemerkt verlaufen kann – so habe ich das jedenfalls in Erinnerung. Da ist doch der oder die Betroffene in etwas gehobener Stimmung – doch eigentlich ein schöner Zustand, oder???
    Mit Gruß von Clara

    1. Liebe Clara, erst mal vielen Dank für dein Interesse. Was die Hypomanien betrifft würde ich eher die Bezeichnung „abgeschwächte Form einer Manie“ wählen, anstatt von „sanft“. Hier eine genauere Ausführung über die Hypomanie:
      „…Die Symptome einer Hypomanie ähneln denen einer Manie. Sie sind aber weniger schwer ausgeprägt, so dass meist kein Klinikaufenthalt notwendig ist. Außerdem treten bei einer Hypomanie keine Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf. Allerdings darf man eine Hypomanie auch nicht mit einer Phase besonders guter Stimmung verwechseln. Während eine „normale“ gute Stimmung bestimmte Gründe hat und an bestimmte Situationen gebunden ist, ist die Stimmungslage bei einer Hypomanie anhaltend und deutlich gegenüber dem normalen Verhalten verändert. Das hypomanische Verhalten wird von anderen als unangemessen erlebt und führt oft zu zwischenmenschlichen Problemen…“
      Quelle: https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/bipolare-stoerungen/hypomanie/
      „…doch eigentlich ein schöner Zustand…“ – Bis zu einem gewissen Grad gebe ich dir recht. Bei mir ist das meist nur am Beginn einer Hypomanie so, dass ich ein gesteigertes Wohlbefinden habe. Mit zunehmender Dauer der Hypomanie weicht das Wohlbefinden aber und es wird durch den Schlafentzug oft sehr anstrengend. Bei mir schlägt es meistens um in eine tiefe depressive Phase.
      Liebe Grüße Maria

  10. Das Positive daran ist, (nicht nur) dass man in der Netzwelt auch andere von psychischen Krankheiten Betroffene findet (sondern auch Menschen erreicht, die von solchen Störungen und Problemen nichts wissen, lernen dürfen und sensibilisiert werden. Ich überlege gerade, ob ich betroffen bin, Mitleid haben soll, was nichts hilft, oder dankbar sein kann, weil es mir vor Augen hält über welche Kleinigkeiten ich klage. Auf jeden Fall bewundere ich, dass ihr euch gegenseitig habt und aufeinander offensichtlich so hilfreich eingerichtet habt. Respekt, wie ihr es meistert, ist das stärkste Gefühl, dass ich empfinde! 🙂 Herzliche Grüße!

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