Schneckengefühle

Wenn ich als Überschrift schreibe „Schneckengefühle“ denke ich an die Schnecken, die ihre Häuser mit sich herumtragen. Je mehr ich über diese Tiere nachdenke, desto mehr gefallen sie mir und desto mehr Parallelen finde ich zu meinem derzeitigen Leben.

Zum einen ist es die Langsamkeit, mit der sich diese Geschöpfe fortbewegen, die mich berührt. Je langsamer ich werde, desto mehr merke ich, wie schnell ich durchs Leben gelaufen bin. Und … es geht immer noch langsamer… Ich freue mich auf den Zeitpunkt, an dem ich so langsam bin, dass endlich Stille einkehrt. Ob ich wohl einmal dahin kommen werde? Ich weiß es nicht.

Dann finde ich die Art, wie sich Schnecken in ihr Haus zurückziehen können, sehr schön. Dieser Rückzug, der bei mir gerade stattfindet, ähnelt diesem Bild. Ich empfinde es so. Ich ziehe mich innerlich zusammen, stülpe meine Fühler nach innen … mehr und mehr … so sehr, dass ich es sogar körperlich spüren kann. Mein Körper hinkt diesem Rückzug hinterher – mein Blutdruck spielt verrückt und meine Zellen wissen nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen … mal angespannt, mal entspannt, mal zornig, mal friedlich …

Natürlich geht dieser Rückzug nicht kontinuierlich oder stetig langsam vorwärts. Nein, im Gegenteil! Mal streck ich schnell die Fühler wieder nach draußen um die Umgebung zu erkunden … dann schnell wieder nach innen, mich besinnend, dass ich meine Aufmerksamkeit im Moment eigentlich dem Inneren geben wollte. Dann wieder vorsichtig nach außen die Fühler, um nicht die Orientierung komplett zu verlieren. Oder … habe ich die Orientierung schon verloren? Ein wenig sicher…

Um nicht völlig auf mich gestellt zu sein oder besser: Da ich das Rad eigentlich nicht neu erfinden möchte, suche ich bei anderen Seelen, die offen ihre Empfindungen mitteilen … ja, was suche ich eigentlich? … Hmmm … ich suche Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich sie im Moment mache. Ich suche Denkanstöße, Anregungen, Wegweiser … und auf dem Weg meiner Suche begegneten mir schon etliche ganz liebe Menschen in dieser Bloggerwelt. Vor allem in den letzten Tagen. Für jede einzelne Reaktion auf mein Geschriebenes bin ich sehr dankbar.

Leider aber schaffe ich es nicht, jede dieser Aufmerksamkeiten richtig zu würdigen, da es mehr Rückmeldungen gibt, als ich im Moment verarbeiten kann. Viele Gedanken, die bei mir zurückgelassen werden, sind mir völlig neu. Andere wieder sind mir sehr ähnlich und ich finde mich darin wieder.

Ich werde aber versuchen, mit jedem der mir geschenkten Gedanken achtsam umzugehen und früher oder später darauf zu antworten. Was ich dazu brauche ist Zeit. Und ich weiß, ich habe diese Zeit. So wie in einem Schneckenbewusstsein das Vorhandensein des Faktors Zeit selbstverständlich ist.

Liebe Leserin, lieber Leser – wenn auch du mir deine Gedanken schon dagelassen hast und ich noch nicht darauf reagiert habe möchte ich dir sagen:
Vielen herzlichen Dank für deine Mühe und Zeit! Ich werde mich melden.
In diesem Sinne wünsche ich dir eine geruhsame Nacht.
Maria Fasching

© Bild und Text Maria Fasching

8 Gedanken zu “Schneckengefühle

  1. Liebe Maria, vor vielen Jahren schrieb ich einmal eine Geschichte über so ein Gefühl. Vielleicht magst du sie lesen, ich habe sie in einem meiner älteren Blogs untergebracht. > Künstler der Langsamkeit heißt sie, und sie ist noch viel viel älter, als das angezeigte Datum, wo sie steht.
    Die Geschichte hatte ich nicht vorsätzlich geschrieben, die floss eines Tages so aufs Papier, ganz wie wenn man träumt.
    Als ich sie schrieb, stand ich kurz nach dem Ende meiner Schulzeit vor Zukunfts-Entscheidungen, und das ständige Betonen aller, es sei „fürs ganze Leben“, und die von mir so empfundene Eile, in der plötzlich alles geschehen sollte, ließ mich in das Schneckengefühl hineinschlüpfen.
    Ich erinnere mich daran, dass ich mich mit der Geschichte irgendwie befreit fühlte, indem ich mich auf mich selbst zu besinnen traute.
    Vielleicht magst du die Geschichte ja auch.

    1. Liebe puzzleblume,
      schöön … habe soeben deine Geschichte zum x-ten Mal gelesen … und ich entdecke immer wieder etwas Neues und Schönes. Welche Feinfühligkeit! Dein Wortzauberfunke ist auf mich übergesprungen… Ganz lieben Dank dafür! Ja ich mag die Geschichte … sogar sehr… Alles Liebe Maria

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