Der grüne Schrecken…

Um die Tageshitze aus dem Zimmer zu scheuchen hat sie das Zimmerfenster weit geöffnet. Still sitzt sie in ihrem Bett, blickt gebannt auf den Fernseher und verfolgt eine spannende Szene des laufenden Films. Sie hat ihr grelles Handarbeitslicht aufgedreht auf höchste Lichtstärke. Die Häkelarbeit ruht in ihren Händen.

Plötzlich ein blitzartiges Schwirren und ein grünes großes etwas fliegt an ihrem rechten Ohr vorbei. Erschrocken zuckt sie zusammen und blickt in Flugrichtung des Objektes.

Da … direkt vor ihr … eine ungefähr zehn Zentimeter lange Heuschrecke. Tiefgrün mit zitternden Fühlern sitzt das Tier da, mindestens genauso erschrocken wie sie.

In einem Ruck zieht sie ihre Beine ganz eng an sich. Ihr Herz rast und ein Ekel durchfährt sie. Ein kalter Schauer läuft über ihren Rücken. In der nächsten Sekunde fühlt sie sich zurück katapultiert in ihre Kindheit, als sie sich einer ähnlichen Situation gegenüber fand. Damals war es ein ebenso großer Nachtschwärmer, der beim Fliegen ein lautes Brummen von sich gab. Ihr Vater kam ihr zu Hilfe, der nach ihrem Schrei ins Zimmer stürzte.

„Was mach ich jetzt?“ schießt es ihr durch den Kopf.

„Gib mir das Geschirrtuch“, flüstert sie fast ihrem Partner zu, der neben ihr im Bett gelassen und ruhig die Situation beobachtete.

Er gibt ihr das Tuch.

Schnell wirft sie das blaue Tuch über den grünen Eindringling. Als sie diesen dann behutsam mitsamt dem Tuch aus dem Fenster auf den Balkon wirft, durchläuft sie nochmals ein Ekelschauer.

Aus sicherer Entfernung schaut sie vorsichtig aus dem Fenster. Still sitzt das Tier auf dem Boden. Dann … ein Satz … und verschwunden war es in der Finsternis des angrenzenden Gartens.

Erleichtert atmet sie durch und ist froh, dass dem Tier nichts geschehen ist.

 

© Maria Fasching

 

19 Gedanken zu “Der grüne Schrecken…

  1. Ja in der Wohnung hätte ich so ein Tier auch nicht gern, mein Er ruft mich dann zur Hilfe , er hat mehr Ekel davor , ich nehme meine Fliegenklatsche und stupse es gen Fenster… meist ist es dann überstanden…

  2. Liebende Maria

    ach wie kann ich mich vor einer Heuschrecke erschrecken
    Sind doch die Menschen einst in fremder Länder Lande eingebrochenDie Wälder kahl zu holzen
    Flammend abzuroden
    Den Einwohnern Krankheit Sklaverei und Tod

    Heuschrecken sind nur der Schreck unserer Selbst
    Da wo alter Schrecken ungeheilt
    Urplötzlich gleich aus dem Nichts
    In den ungestörten Alltag bricht

    Zirpend geigen Sie den Sommerabend freudig froh
    Ach der Ekel selbst
    Wut und Angst vermischt
    Das stille Örtchen
    Ekelt sich vor keinem Klo…
    Und das Hinuntergespülte
    Freudig Seiner Reise zischend

    Dir Joaquim von Herzen und zu Grashüpfer

  3. Oje, da hast du solche Angst vor Insekten!?

    Mich schrecken sie nicht, ich stülpe ein Glas drüber, schiebe ein Stück festes Papier drunter und ab in die Freiheit.

    Dafür habe ich aber schreckliche Angst vor Schlangen. So hat jeder seins, gell.

    Liebe Grüße nach Wien
    Brigitte

    1. Oh ja, sobald Insekten größer sind als ein Zentimeter und das ist für mich schon groß habe ich grooooßen Respekt vor.
      Die Idee mit dem Glas finde ich wirklich gut.
      Ganz liebe Grüße auch von mir
      Maria

  4. Herzlichen Glückwunsch zu deiner Heldentat.
    Mir brachte mein Vater einst bei solches GeTier entweder zu akzeptieren oder mich dagegen zu wehren.
    Was gut ist – so kann ich jetzt meinen Er davor beschützen

  5. Hallo Maria. Ich bin auch so ängstlich wenn es um Insekten geht. Dann hol ich mir meinen Mann zur Hilfe. Wenn er nicht da ist helfen meine Jungs oder ich stülpe ein Glas drüber. Mich schüttelt es regelrecht. In meinem Garten kann ich sie komischer Weise akzeptieren, ich kann ja weiter gehen. Wenn ich dann zu meinem Mann “ mein Held“ sage weiß er schon Bescheid was ansteht.

      1. Wenn man diese Veranlagung zum Schrecken bei „Fliegeviechern“ nun mal hat, ist das nur allzu verständlich. Aber auch ein Grund, um stolz auf sich zu sein, denn wer sich dabei nicht fürchtet, für den ist es ja auch keine Heldentat.

  6. Schade, wie sich die Zeiten ändern. War damals der Vater der „Ritter“, der schützend die Hand über einen legte. Muss man heute selbst, ritterlich die Hand anlegen, um dem Schrecken des Abend ein Ende zu setzen.Wohl dem der ein Tuch als Schwert der Vereidigung ergreifen kann.

    Was wäre wenn die Heuschrecke ein großer, grüner Drache geworden wäre. Ein geöffnetes Fenster bietet Einlass für wundersame Wesen.

    Einen herrlichen guten Morgen
    Hilde

    1. Liebe Hilde, lieben Dank fürs Vorbeischauen. Auch dir einen wunderschönen guten Morgen. Ja, der Phantasie, sind keine Grenze gesetzt, vor allem während vorgerückter Nachtstunde. 🙂 Alles Liebe und viel Kraft für diesen Tag wünscht dir Maria

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