Neues aus dem Schneckenhaus

Endlich ein Gefühl der Ausgeglichenheit. Ruhe und Entspanntheit ist eingekehrt in meinen Körper. Nichts mehr zieht und zerrt an meinen Zellen. Schön geordnet tun sie ihre Arbeit. Dies geht aber nicht ohne Hilfen. Antidepressiva und Mood-Stabilizer brauche ich zur Zeit leider schon.

Komisch … all die negativen Gedanken der letzten Wochen sind verflogen. Sie haben sich in Luft aufgelöst. Dieser Wandel ist für mich immer wieder überraschend, da es in der Tiefphase so unvorstellbar ist, dass alles wieder besser wird.

Eine tiefe Lebenslust und ‑freude macht sich breit. Seit gestern schaffe ich auch wieder kleinere Hausarbeiten. Diese kleinen Erfolge und die Vorfreude auf wieder ein bisschen Normalität sind nun der Motor für die neue und wiederkehrende Lebenskraft.

Ich fühle mich in der Mitte. Endlich kann ich wieder Durchatmen.

Was ich jetzt nicht tun darf ist, mich vor Freude über diese Wende, zu überlasten. Das ist nicht einfach. Dann muss ich genau beobachten, wann wieder hypomanische Anzeichen auftauchen. Dann sind die Antidepressiva wieder abzusetzen.

Ein bisschen bin ich schon herausgekommen aus meinem Schneckenhaus.

Auch Musik kann ich jetzt endlich wieder hören und genießen. „Rolling In The Deep“ von Adele habe ich grade im Ohr … diese einzigartige Stimme … Einfach toll! Musik kann so unbeschreiblich viel sein und geben. Wie neugeboren fühle ich mich. Meine Freude steigt mit jedem Ton, der in meine Ohren dringt.

Früher war es so, dass ich, wenn ich Musik hörte, die mir gefiel, den Wunsch hatte, diese selbst zu fabrizieren. Heute ist das anders. Heute kann ich mich dem Moment hingeben und mein Erstaunen über besondere Töne mit Freude genießen. Musik ist für mich ein Lebenselexier, das mir buchstäblich in die Glieder fährt. Besonders beim Hören solcher Ausnahmetalente.

Ich wünsche Dir, lieber Leser, auch solche Momente des Krafttankens.
Einen schönen Abend und alles Liebe
Maria

© Maria Fasching

 

20 Gedanken zu “Neues aus dem Schneckenhaus

  1. Sophie

    Ach wie schön zu lesen.
    Diese Tiefphasen in denen die gesamte Gedankenwelt eine andere ist… kenn ich. Es ist so schön, wenn man langsam wieder daraus erwacht und fühlt, was man nicht mehr glaubte, jemals wieder fühlen zu können.

    1. Liebe Sophie, tut mir leid, dass du diese Tiefs auch kennst. Ja, dieses Auftauchen aus einer Tiefphase ist wirklich wie ein Erwachen. Lieben Dank für deine Worte. Alles Liebe und viel Kraft auch dir wünscht dir Maria 🙂

  2. Genieß es! Nichts lässt sich festhalten. Aber eins ist sicher: Wenn Du es jetzt geschafft hast, wirst Du es auch wieder schaffen, in Deine Mitte zu kommen. Vertrau‘ darauf. Und jetzt: lächeln ;-)))

  3. Ich freue mich für dich über das Maß an Bewusstheit, mit dem Du deine Erkrankung lebst. Andere, aus meinem persönlichen Umfeld können das nicht, lehnen jede Medikation ab und geraten dem entsprechend in`s schlittern mit dem ständigen auf und ab.

    Lieben Gruß aus dem Tal der Wupper !

    1. Lieber Reiner, deine Freude kehrt wieder zurück zu mir 🙂 – Meine Bewusstheit habe ich mir mühsam in kleinen Schritten erarbeitet über eine lange Therapie und viel Selbstreflektion, und vor allem: Der Schlüssel für mich war – Ehrlichkeit zu mir selbst. Es war nicht einfach und ist auch nicht immer einfach – aber es wird im Laufe der Jahre immer besser. Medikamente zu akzeptieren fällt mir immer noch sehr sehr schwer. Aber auch hier: Mit dem Eingeständnis, dass es zu bestimmten Zeiten einfach nicht ohne geht, habe ich das alles in den Griff bekommen. Herzlichen Gruß aus Wien! Maria 🙂

  4. So ein bissel ähnlich geht es mir ja auch gerade. Die große Freude, das tiefe Tal verlassen zu haben. Da es meine erste schwere Depression war, weiß ich noch nicht, was jetzt kommt. Ein Achterbahnfahren, immer wieder hoch und runter oder bleibt es jetzt hoch? Habe ich vielleicht jetzt eine manische Phase und stürze dann wieder ab? Mag gar nicht daran denken.
    Lass es dir gut gehen und genieße die Freude.
    Liebe Grüße
    Weena

    1. Ja, liebe Weena, das mache ich – ich genieße die Zeit jetzt und vor allem den Moment. Freue mich für dich, wenn es dir ähnlich geht. Meine Erfahrung mit meiner Krankheit lehrte mich, im Jetzt zu bleiben (habe aber lange gebraucht das zu kapieren und zu lernen). Mach ich aber nun. Ganz lieben Gruß und viele schöne Momente wünscht dir Maria 🙂

  5. Liebe Maria,
    ich denke nicht, dass Du unachtsam mit Dir sein wirst. Es geht um Deine Befindlichkeit. Ein Maß im Verhalten zu finden, gehört nun einmal ins tägliche Leben. Warum solltest Du nicht diesen Wünschen, ein entspanntes, freundliches Leben zu führen, unterstützen. Das schaffst Du schon. Denn dann, bekommen wir wieder so schöne, spannende Geschichten zu lesen.
    LG. Hilde

  6. Breathing in, I feel calm
    Breathing out I feel at ease
    Breathing in I dwell deeply in the present moment
    Breathing out I know this is a wonderful moment
    In, out
    Deep.slow
    Calm, ease
    Smile, release
    Present moment, wonderful moment.

    1. Liebe Heide, lieben Dank für deine Worte. Ja, ich denke, im Moment gelingt mir schon einiges ganz gut. Ich hoffe, ich verliere diese Achtsamkeit nicht wieder. Das kann schon wieder vorkommen, wenn ich wieder an eine Amplitude komme… aber ich bleibe lieber im jetzt und genieße einfach 🙂 Ganz lieben Gruß von Maria

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