Herzblut-Abschiedsbrief

Mein Brief an meine überwundene Magersucht auf dem MITMACHBLOG (MMB) veröffentlicht. – Das Wochenthema: HERZBLUT

Hier der Link zum Brief:

Herzblut-Abschiedsbrief

Hallo Magersucht!

Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich beginnen soll, so viel habe ich dir zu sagen. Du bist eigentlich ganz langsam in mein Leben getreten. Du hast dich gut getarnt angeschlichen und plötzlich warst du da in all deinen Facetten.

Wer warst du eigentlich, dass du mein Leben so dominiert hast? Wie konnte es geschehen, dass du so große Macht über mich bekommen hast?

Ja, ich erinnere mich doch an so einige kleine Anzeichen, die dein Ankommen ankündigten. … weiterlesen

 

Lieber Leser! Mit diesem Brief heute möchte ich zur Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten, wie hier zB der Magersucht einen Beitrag leisten, was ja auch eins meiner Ziele mit diesem Blog ist. Ich erreiche damit vielleicht nicht Verständnis, aber doch einen Einblick in eine psychische Andersartigkeit.
Alles Liebe
Maria

© Maria Fasching

Der erste Morgen im fremden Land

Heiß und stickig ist es im Zimmer, trotz des Ventilators. Ich wache auf davon. Oder war es etwas anderes was mich aufweckte? Es ist fünf Uhr früh. Ich stehe auf und gehe zur offen stehenden Balkontüre. Nur das Fliegengitter trennt mich von der Außenwelt. Erste Umrisse der Häuser kann ich draußen erkennen. Ein etwas kühlerer Luftzug erreicht mich. Ich öffne das Gitter und trete hinaus auf den Balkon. Oh, ist das gut. Ein leichter frischer Wind umspielt mein erhitztes Gesicht. Eine Wohltat.

Erst jetzt bemerke ich bewusst das laute Geräusch. Es kommt aus den Bäumen aus Nachbars Garten. Es sind die Zikaden, die hier um die Wette zirpen. Ein ganzer Chor von diesen Tieren, die hier ihre Laute von sich geben.

Mutti ist auch schon wach. Ich sehe sie unten ihren Garten pflegen. Sorgfältig besprüht sie jede Ecke des Gartens mit einem feinen Wasserstrahl. Es ist ein wunderschöner Garten, mit viel Liebe gehegt und gepflegt. Unter dem Balkon ist ein Gemüsegarten. Zwischen all dem Grün leuchten rote Paprika zu mir herauf. Weiter unten sehe ich durch die Bananen- und Pfirsichbäume hindurch die Weintraubenlaube. Zur Begrüßung haben wir gestern schon diese süßen Früchte genießen dürfen.

Da bemerkt Mutti mich. Ganz leise sagt sie: „Guten Morgen.“ Möglichst leise erwidere ich auch ein guten Morgen. Wir lächeln uns an und winken uns zu. So leise sind wir deshalb, weil unsere Männer noch schlafen. Wir wollen sie nicht wecken.

Da kommt Dschango, der Hund in Nachbars Garten, um die Ecke des Nachbarhauses. Ein nicht allzu lautes Wuff begrüßt mich so, als ob er wüsste, dass die meisten noch schlafen. Es ist ein schöner, schon etwas älterer Schäferhund. Leise flüstere ich auch ihm ein guten Morgen zu. Er beobachtet mich und dann wedelt er vor Freude mit dem Schweif.

Irgendwo kräht ein Hahn mit heiserer Stimme…

Ich wünsche dir, lieber Leser, einen ebenso wunderschönen guten Morgen mit viel Stille und Achtsamkeit.
Alles Liebe
Maria Fasching

© Bild und Text Maria Fasching

 

Das begehrte Keks

Ich habe auf dem MITMACHBLOG (MMB) wieder eine Geschichte veröffentlicht. – Das Wochenthema: DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

Hier der Link zur Geschichte:

Das begehrte Keks

Die Schulglocke läutet zur Zehn-Uhr-Pause. Es ist Freitag und Amelie hat leider die zehn Schillinge, die sie als Jausengeld jede Woche bekommt schon verbraucht. Sie ist hungrig. Da kommt Kerstin ins Klassenzimmer. Sie hält eine Semmel in ihrer Hand. Ganz stolz verkündet sie, dass sie dieses Gebäck bei dem großen Andrang vom Bäckerstand soeben gestohlen hätte.

Es wird viel gestohlen vom Bäckerstand, vor allem während dieser Zehn-Uhr-Pause. Da ist jeden Tag so ein Andrang, dass die Verkäuferinnen nicht mehr wissen, wen sie als ersten bedienen sollen. Und Kerstin gehörte nicht zum Kreis der üblichen Verdächtigen. Das sind die Jungs aus der vierten Klasse. Auf die haben die Angestellten ein Auge. Deshalb nahm auch keiner Notiz von ihr.

„Das ist die Idee“, denkt Amelie…. weiterlesen

 

Ich wünsche allen einen wunderschönen guten Morgen und viel Freude beim Lesen!
Alles Liebe
Maria

© Maria Fasching

Peinlich berührt

Er ist schon etwas gebrechlich, der Maler. Etwas schlurfend ist sein Gang, da es ihn in der Hüfte hat. Seine etwas schütteren Haare sind ganz weiß. Etwas gebückt ist seine Haltung.

Nun sitzt sie ihm gegenüber. Interessiert mustert er ihr Gesicht und bleibt an ihren Augen hängen. „Sie haben schöne Augen“, meint er. Verschämt schlägt sie die Lider nieder. Solche Komplimente ist sie nicht gewohnt und derartiges ist ihr unangenehm. Sie sagt leise: „Danke.“

„Wie alt sind sie“, fragt er. – Sie: „Sechsundzwanzig.“

„Kommen wir zum Wesentlichen. Sie kommen jeweils dienstags um fünfzehn Uhr. Ich bereite uns einen kleinen Imbiss vor. Dann ordnen sie meine Belege und anschließend arbeiten wir an meiner Biographie. Ich zahle ihnen achtzig Schilling in der Stunde. Ihre Vorgängerin hat sie sicher über alles genau informiert. Sind sie einverstanden?“

„Ja“, sagt sie. Sie kann das Geld gut gebrauchen, da sie nur einen halben Tag arbeitet und nicht allzu viel verdient. Mehr kann sie an Arbeitsverpflichtung jedoch nicht übernehmen, da sie ein Abendgymnasium für Berufstätige besucht. Sie will die Matura auf diesem Weg nachholen.

„Und dann möchte ich, dass sie mich gleich dieses Wochenende nach Triest begleiten. Ich habe dort in einem Hotel meine Bilder ausgestellt und möchte gerne nach dem Rechten sehen. Die Reisekosten übernehme selbstverständlich ich. Wir fahren mit meinem Auto, das heißt sie fahren. Ich kann mir eine derartig lange Strecke nicht mehr zumuten. Darf ich mit ihnen rechnen? Ich zahle gut…“

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Neues aus dem Schneckenhaus

Endlich ein Gefühl der Ausgeglichenheit. Ruhe und Entspanntheit ist eingekehrt in meinen Körper. Nichts mehr zieht und zerrt an meinen Zellen. Schön geordnet tun sie ihre Arbeit. Dies geht aber nicht ohne Hilfen. Antidepressiva und Mood-Stabilizer brauche ich zur Zeit leider schon.

Komisch … all die negativen Gedanken der letzten Wochen sind verflogen. Sie haben sich in Luft aufgelöst. Dieser Wandel ist für mich immer wieder überraschend, da es in der Tiefphase so unvorstellbar ist, dass alles wieder besser wird.

Eine tiefe Lebenslust und ‑freude macht sich breit. Seit gestern schaffe ich auch wieder kleinere Hausarbeiten. Diese kleinen Erfolge und die Vorfreude auf wieder ein bisschen Normalität sind nun der Motor für die neue und wiederkehrende Lebenskraft.

Ich fühle mich in der Mitte. Endlich kann ich wieder Durchatmen.

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Allein

Es ist kühl im Schlafzimmer. Das Ehebett ist leer. Die Polster sind verdrückt und die Decken sind zurückgeschlagen.

In der Ecke steht ein Gitterbett. Ein Kind ist darin. Eine Stubenfliege dreht ihre wirren Runden im Zimmer. Es ist schon eine ältere Fliege. Sie ist recht groß und ihr Körper leuchtet blauschwarz. Ein leiser Schwirrton lässt sich vernehmen. Nun fliegt sie in Richtung Kinderbett. Das Kind im Bett ist Amelie. Es bewegt leicht im Schlaf ihre Ärmchen. Frech und angezogen von der vom Bett ausgehenden Wärme setzt sich die Fliege an den Rand der Decke, nur um schnell wieder abzuheben und sich unvermittelt auf die Stirn Amelies zu setzen. Schlaftrunken wischt das Kind mit dem einen Ärmchen die Fliege weg. Doch so schnell gibt die Fliege nicht auf.

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