Peinlich berührt

Er ist schon etwas gebrechlich, der Maler. Etwas schlurfend ist sein Gang, da es ihn in der Hüfte hat. Seine etwas schütteren Haare sind ganz weiß. Etwas gebückt ist seine Haltung.

Nun sitzt sie ihm gegenüber. Interessiert mustert er ihr Gesicht und bleibt an ihren Augen hängen. „Sie haben schöne Augen“, meint er. Verschämt schlägt sie die Lider nieder. Solche Komplimente ist sie nicht gewohnt und derartiges ist ihr unangenehm. Sie sagt leise: „Danke.“

„Wie alt sind sie“, fragt er. – Sie: „Sechsundzwanzig.“

„Kommen wir zum Wesentlichen. Sie kommen jeweils dienstags um fünfzehn Uhr. Ich bereite uns einen kleinen Imbiss vor. Dann ordnen sie meine Belege und anschließend arbeiten wir an meiner Biographie. Ich zahle ihnen achtzig Schilling in der Stunde. Ihre Vorgängerin hat sie sicher über alles genau informiert. Sind sie einverstanden?“

„Ja“, sagt sie. Sie kann das Geld gut gebrauchen, da sie nur einen halben Tag arbeitet und nicht allzu viel verdient. Mehr kann sie an Arbeitsverpflichtung jedoch nicht übernehmen, da sie ein Abendgymnasium für Berufstätige besucht. Sie will die Matura auf diesem Weg nachholen.

„Und dann möchte ich, dass sie mich gleich dieses Wochenende nach Triest begleiten. Ich habe dort in einem Hotel meine Bilder ausgestellt und möchte gerne nach dem Rechten sehen. Die Reisekosten übernehme selbstverständlich ich. Wir fahren mit meinem Auto, das heißt sie fahren. Ich kann mir eine derartig lange Strecke nicht mehr zumuten. Darf ich mit ihnen rechnen? Ich zahle gut…“

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Allein

Es ist kühl im Schlafzimmer. Das Ehebett ist leer. Die Polster sind verdrückt und die Decken sind zurückgeschlagen.

In der Ecke steht ein Gitterbett. Ein Kind ist darin. Eine Stubenfliege dreht ihre wirren Runden im Zimmer. Es ist schon eine ältere Fliege. Sie ist recht groß und ihr Körper leuchtet blauschwarz. Ein leiser Schwirrton lässt sich vernehmen. Nun fliegt sie in Richtung Kinderbett. Das Kind im Bett ist Amelie. Es bewegt leicht im Schlaf ihre Ärmchen. Frech und angezogen von der vom Bett ausgehenden Wärme setzt sich die Fliege an den Rand der Decke, nur um schnell wieder abzuheben und sich unvermittelt auf die Stirn Amelies zu setzen. Schlaftrunken wischt das Kind mit dem einen Ärmchen die Fliege weg. Doch so schnell gibt die Fliege nicht auf.

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Der Mantel

Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch das Fenster auf das Fußende des Bettes. Langsam und bedächtig aber kontinuierlich klettern sie weiter in Richtung Polster. Auf dem Polster ruht ein Mädchenkopf. Friedlich schläft Lisa noch. Gleichmäßig ist ihr Atem. Da – ein Hahnenschrei. „Der Mantel“ weiterlesen